Israelische Wähler beginnen Abstimmung in erster Parlamentswahl seit dem Angriff vom 7. Oktober
Die Abstimmung zum Knessetwahl begann am Dienstag – die erste seit dem Angriff vom 7. Oktober 2023 – in einem knappen Rennen zwischen Benjamin Netanjahu und Gadi Eizenkot.

Am Dienstag gingen israelische Wähler zur Stimmabgabe in eine Parlamentswahl, die erste seit dem Angriff vom 7. Oktober 2023. Das Rennen ist eng zwischen dem amtierenden Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und seinem Hauptkonkurrenten, dem ehemaligen Generalstabschef Gadi Eizenkot.
Rund 7,3 Millionen Israelis sind wahlberechtigt, um die 120 Sitze der Knesset zu wählen. Für eine Regierungsmehrheit sind 61 Sitze nötig. Meinungsumfragen vor der Wahl zeigten ein knappes Bild zwischen den beiden Hauptlagern, ohne eindeutig aufzuzeigen, dass eine Seite allein diese Mehrheit sicherstellen kann – wodurch Koalitionsverhandlungen nach der Wahl entscheidend für die Ernennung des nächsten Regierungschefs werden.
Das Parteienspektrum reicht von rechten über zentristische bis hin zu linken Parteien, dazu arabische und religiöse Listen. An erster Stelle stehen Sicherheitsfragen, daneben die Versäumnisse des 7. Oktober, der Krieg im Gazastreifen, die Frage der Wehrpflicht und die künftige Rolle von Religion und Staat.
Benjamin Netanjahu führt die Likud-Partei an, die das rechte Lager vertritt und nationalistische sowie wirtschaftsliberale Positionen vertritt. Netanjahu war seit 2009 über lange Zeit Regierungschef und baut in seinem Wahlkampf auf seine Erfahrung beim Schmieden von Koalitionen. Zugleich wird seine Regierung für das Versäumnis kritisiert, den Anschlag der Hamas am 7. Oktober 2023 zu verhindern, sowie für die Folgen der militärischen Operationen danach in Gaza und im Libanon, die Konfrontationen mit dem Iran, innenpolitische Spaltungen und internationalen Druck.
Gadi Eizenkot tritt mit der Partei „Yishar“ an, die er 2025 gegründet hat. Er stellt sich als Alternative zu Netanjahu dar und stellt die Einheit der israelischen Gesellschaft und die Stärkung staatlicher Institutionen in den Mittelpunkt seiner Kampagne. Der frühere Militärchef stützt sich auf seine Armeeerfahrung, versammelte politische Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Hintergründen um sich und versprach, die weitreichenden Befreiungen von der Wehrpflicht für strengreligiöse Juden anzugehen.
Vor der Wahl veröffentlichte Umfragen wiesen auf ein knappes Rennen zwischen Yishar und dem Likud hin, ließen aber weiter Zweifel, ob eine der beiden Parteien allein eine stabile Regierung bilden kann. Das unterstreicht die Bedeutung parlamentarischer Bündnisse nach Bekanntgabe der Ergebnisse.
Naftali Bennett, Ministerpräsident 2021–2022, ist in diesem Wahlgang Teil des Bündnisses „Gemeinsam“ neben Yair Lapid, dem Vorsitzenden von „Yesh Atid“ und dem früheren Oppositionsführer. Die beiden hatten 2021 eine anti-Netanjahu-Regierung gebildet, die nach etwa einem Jahr zerbrach. Bennett präsentiert sich als säkularer Rechtsaußenpolitiker, Lapid gehört dem zentristischen Lager an; beide treten gegen eine Fortsetzung von Netanjahus Regierungsführung an.
Die Partei „Die Demokraten“ unter der Führung von Yair Golan bildet eine links-zionistische Kraft, entstanden aus dem Zusammenschluss von Arbeiterpartei und Meretz. Sie legt den Schwerpunkt auf Fragen der Demokratie und soziale Gerechtigkeit und unterstützt die Zwei-Staaten-Lösung als Weg zur Beendigung des Konflikts mit den Palästinensern.
Die Schas-Partei unter Arye Deri vertritt Teile der religiös-orientalischen jüdischen Bevölkerung, mit Fokus auf soziale Themen und die Interessen ärmerer Gruppen; sie lehnt die Wehrpflicht für strengreligiöse Juden ab. Demgegenüber vertritt die Partei „Otzma Yehudit“ unter Itamar Ben-Gvir äußerst rechte Positionen, setzt Sicherheitsthemen an erste Stelle, fordert die Annexion des Westjordanlands und steht wegen ihrer Äußerungen und Haltungen gegenüber Palästinensern international in der Kritik.
Die Partei „Religiöse Zionisten“ unter Bezalel Smotrich befürwortet ebenfalls die Annexion des Westjordanlands und die Stärkung des religiösen Charakters des Staates, während „Yahadut HaTorah“ den Schutz der Unabhängigkeit religiöser Institutionen betont und sich gegen die Einberufung seiner Studierenden wehrt.
Die Partei „Israel Beitenu“ unter Avigdor Lieberman tritt mit einem säkular-nationalistischen Programm an, das die Trennung von Religion und Staat fordert und harte Positionen gegenüber den Palästinensern vertritt. Sie zählt zu den Kräften, die Netanjahu ablehnen, doch bleiben die Koalitionsoptionen der Opposition zur Bildung einer Alternative uneinheitlich.
Arabische Parteien treten über die Gemeinsame Liste und die Ra'am-Liste unter Mansour Abbas an. Ihre Programme konzentrieren sich auf Forderungen nach Gleichberechtigung und bürgerlichen Rechten, die Bekämpfung von Kriminalität und die Verbesserung öffentlicher Dienstleistungen; ihre Positionen zur Zwei-Staaten-Lösung und zur Regierungsbeteiligung variieren. Diese Parteien sind in den Rechenmodellen für die Regierungsbildung wichtig, können aber zugleich innerparteiliche Differenzen in der Opposition über die Zusammenarbeit mit ihnen verstärken und die Chancen auf ein anti-Netanjahu-Bündnis erschweren.



